Britta Kellermann: Gewässerschutz muss an den Ursachen ansetzen:Wie lässt sich die fortschreitende Verlandung des Steinhuder Meeres aufhalten?

Grüne Landtagsabgeordnete diskutiert Zukunft des Steinhuder Meeres – weniger Phosphor und mehr Unterwasserpflanzen als Schlüssel gegen die Verlandung

Wie lässt sich die fortschreitende Verlandung des Steinhuder Meeres aufhalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich Britta Kellermann, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, bei einer Podiumsdiskussion des Vereins zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM). Gemeinsam mit Fachleuten, Vertretern der zuständigen Behörden und regionalen Politikerinnen und Politikern diskutierte sie aktuelle Messergebnisse und die notwendigen Maßnahmen, um Niedersachsens größten See langfristig zu erhalten.

Die Ergebnisse zeigen, wie dringend gehandelt werden muss: In dem durchschnittlich nur 1,35 Meter tiefen Flachsee bilden sich jährlich rund 52.000 bis 64.000 Kubikmeter Schlamm neu. Eine wesentliche Ursache für die beschleunigte Verlandung sind übermäßige Nährstoffeinträge, insbesondere Phosphor. Sie fördern das Wachstum von Kleinstalgen und Bakterien, verdrängen größere Wasserpflanzen und tragen so zur Neubildung von Schlamm bei.

„Wir müssen bei den Ursachen ansetzen: Weniger Phosphor im Wasser ist entscheidend, damit sich wieder mehr Unterwasserpflanzen entwickeln können. Sie stabilisieren den Seegrund, verringern die Aufwirbelung von Schlamm und helfen, Nährstoffe im Sediment zu binden. Damit können wir nicht nur die Wasserqualität verbessern, sondern auch die weitere Verlandung bremsen“, betont Kellermann.

Weniger Nährstoffe, mehr Wasserpflanzen

Der Seeentwicklungsplan sieht vor, den Phosphoreintrag um rund 75 Prozent bzw. auf 520 Kilogramm pro Jahr zu reduzieren. Dafür sind unter anderem Einstau-Auen, Rückhaltebecken und Filteranlagen an verschiedenen Zuflüssen vorgesehen. Sie sollen verhindern, dass zu viele Nährstoffe in den See gelangen.

Für Kellermann ist entscheidend, dass die geplanten Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. „Gewässerschutz bedeutet, ökologische Zusammenhänge zu verstehen und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Wenn wir die Nährstoffbelastung nicht ausreichend senken, bekämpfen wir mit der Schlammentnahme letztlich nur die Symptome. Wir brauchen beides: weniger Nährstoffeinträge und eine Schlammentnahme, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert.“

Schlammentnahme bleibt notwendig

Aktuelle Messungen zeigen, dass sich jährlich mehr Schlamm bildet als bislang entnommen wurde. Während die durchschnittliche Entnahme bei rund 40.000 Kubikmetern pro Jahr lag, beträgt die ermittelte Neubildung etwa 52.000 bis 64.000 Kubikmeter. Das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Leine-Weser hat zugesagt, künftig so viel Schlamm zu entnehmen, wie tatsächlich neu entsteht.

Auch die Lagerung der Sedimente muss langfristig gesichert werden. Die vorhandenen Polderflächen bei Großenheidorn und Mardorf sowie die geplante Erweiterung bei Mardorf sollen dafür Kapazitäten bereitstellen. Eine Deponierung im Toten Moor lehnt Kellermann aus naturschutzfachlichen Gründen ab: „Das Tote Moor ist ein nährstoffarmes und empfindliches Ökosystem. Nährstoffreicher, kalkhaltiger Schlamm würde dieses Gebiet erheblich belasten. Wir müssen Lösungen finden, die den Schutz des Steinhuder Meeres mit dem Schutz anderer wertvoller Lebensräume vereinbaren.“

Landespolitik behält die Umsetzung im Blick

Mit dem Seeentwicklungsplan liegt ein gemeinsamer Handlungsrahmen für die Zukunft des Steinhuder Meeres vor. Jetzt kommt es darauf an, die vorgesehenen Maßnahmen zur Reduzierung der Nährstoffeinträge, zur Förderung der Unterwasservegetation und zur bedarfsgerechten Schlammentnahme verlässlich voranzubringen.

Als umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion befasst sich Kellermann mit den Herausforderungen des Gewässerschutzes in Niedersachsen. Die Diskussion am Steinhuder Meer zeigt beispielhaft, wie wichtig wissenschaftliche Grundlagen, die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen und ein langfristiger Blick auf ökologische Prozesse sind.

„Das Steinhuder Meer ist ein wertvoller Natur- und Erholungsraum. Sein Erhalt braucht einen langen Atem und konkrete Schritte. Mein Ziel ist, dass wir die Ursachen der Verlandung wirksam angehen, die Entwicklung der Wasserpflanzen stärken und die vereinbarten Maßnahmen konsequent umsetzen“, so Kellermann.

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